Tomate
Lycopersicon esculentum var. esculentum
Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Schwierigkeit: Mittel
Alternative Namen
Paradeiser
Fruchtfolge Empfehlung
Mindestens 2 Jahre
Vorkultur
Prinzipiell sind alle gängigen Gemüsekulturen mit Ausnahme anderer Nachtschattengewächse als Vorkultur geeignet. In Bezug auf den Anbauzeitraum von Tomaten bieten sich zum Beispiel frühe Salate, Fenchel, Kohlrabi, Radieschen, Schnittköhler etc. an. Auch eine Gründüngung über den Winter ist sehr empfehlenswert. Hierbei soll Ackersenf einen positiven Effekt auf die Süße der Tomaten haben. Ob dies stimmt, ist schwierig zu belegen, weil dies von einigen weiteren Effekten wie zum Beispiel Wassergehalt der Früchte, Sorte und Erntezeitpunkt abhängt. Zudem ist Ackersenf ein Kohlgewächs, was zu Fruchtfolgeproblemen führen kann. Die meisten Gemüsebaubetriebe haben zu viel Kohl im Anbau, weswegen in der Regel auf Senf als Gründüngung verzichtet wird.
Nachkultur
Dadurch, dass die Tomaten erst relativ spät räumen, ist die Wahl der Nachkultur eingeschränkt. Es kann aber durchaus Sinn machen, nicht bis zur Reife der allerletzten Tomate zu warten, sondern rechtzeitig die Folientunnel leerzubekommen, um lukrative Nachkulturen einbringen zu können. Einige Betriebe arbeiten auch damit, dass Direktsaaten von zum Beispiel Spinat und Möhren noch in bestehende Tomatenbestände ausgebracht werden. Dies ist möglich, erfordert aber eine genaue Kennzeichnung und gegebenenfalls etwas Akrobatik beim Beernten und Räumen der Pfanzen. In der Regel wird Feldsalat nach Tomate angebaut. Möglich wären zum Beispiel auch überwinternde Kulturen wie Spinat, Mangold, Rauke, Möhren, Schnittkohl und Schnittsalate.
Geschichte
Die Tomate stammt ursprünglich aus den mittel- und südamerikanischen Breiten. Ihren Siegeszug in zentral Europa trat sie erst nach dem Zweiten Weltkrieg an.
Entwicklungszyklus
Einjährig
Tomaten sind einjährige Pflanzen. Je nach Sorte können sie determinieren, das heißt, ihr Wachstum ist begrenzt. Man spricht dann umgangssprachlich auch von Buschtomaten. Es gibt aber auch unbegrenzt wachsende Sorten, die im Verlauf ihrer Vegetationsperiode Wuchslängen von 15 m und mehr erreichen können.
Kommentar
In absoluten Ausnahmefällen können Pflanzen Temperturen von bis zu −1° C kurzfristig ertragen. Dies sollte aber unbedingt vermieden werden. Die Tendenz, die Pflanzen immer früher in die Erde zu bringen, ist oft kontraproduktiv, weil ohne ausreichende Bodentemperatur kein Wachstum stattfindet und zudem das Risiko von Krankheiten unverhältnismäßig steigt. Gerade im Anbau für Solawis sollten wir die sicheren Anbauvarianten wählen und die Risikosätze den Gärtnereien überlassen, die an den Großmarkt liefern oder auf dem Wochenmarkt ihre Stände haben.
Eigene Erfahrung: Nach einem Spätfrost im Mai, bei dem ein Großteil der Tomaten schwere oberirdische Frostschäden erlitten hatte, gab es bei den Pflanzen einen Neuaustrieb und sie brachten immer noch mittelmäßige Erträge. Wenn sie gut angewachsen sind und die Bodentemperatur entsprechend war, kann es sich lohnen, auch frostgeschädigten Pflanzen noch eine Chance zu geben.
Satzdaten
| Ort | Saatdatum |
Anzuchtszeit
(in Tagen) |
Pflanzdatum |
Wachstumszeit
(in Tagen) |
Erntedatum | Erntefenster |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Folientunnel Beheizt | 5. Januar | 55 | 1. März | 81 | 21. Mai | 22 Wochen |
| Folientunnel Vließ | 25. Februar | 49 | 15. April | 77 | 1. Juli | 16 Wochen |
| Folientunnel Vließ | 18. März | 44 | 1. Mai | 75 | 15. Juli | 16 Wochen |
| Freiland | 3. April | 42 | 15. Mai | 70 | 24. Juli | 16 Wochen |
| Freiland | 22. April | 40 | 1. Juni | 70 | 10. August | 16 Wochen |
Boden
Optimaler Bodentyp: Sandiger Lehm
Optimaler ph-Wert: 7
optimaler ph-Wert
Zusatzinfos
Sand
Optimaler ph-Wert:
Auf sandigen Böden ist auf ausreichende Bewässerung und Düngung zu achten. Die Verwendung von Mulch ist empfehlenswert.
Sandiger Lehm
Optimaler ph-Wert:
Sandige Lehmböden sind sehr gut für den Anbau von Tomaten geeignet. Auch hier bietet sich die Verwendung von Mulch an.
Lehm
Optimaler ph-Wert:
Auf lehmigen Böden ist darauf zu achten, dass sie sich ausreichend erwärmen können, bevor die Tomaten gepflanzt werden, und nicht staunass sind. Wenn sich der Boden ausreichend erwärmt hat, kann Mulch verwendet werden.
Ton
Optimaler ph-Wert:
Tonböden sollten vor der Pflanzung ausreichend warm und nicht staunass sein. Eine Verwendung von Mulch ist möglich, sollte aber mit Bedacht vorgenommen werden. Feuchtigkeit am Pflanzenhals sollte unbedingt verhindert werden.
Jungpflanze
Keimdauer
9 - 14 Tage
Keimung
Mittel
Okay
Optimal
Okay
Niedrig
15 °C
23 °C
25 °C
25 °C
Jungpflanze
Hoch
Okay
Optimal
Okay
Niedrig
9 °C
18 °C
22 °C
25 °C
Abhärten
Die jungen Tomatenpflanzen sollten vor der Pflanzung abgehärtet werden. Die Jungpflanzen etwa zwei Wochen vor der Pflanzung nur noch sparsam gießen. Darauf achten, dass sie nicht zu eng auf dem Anzuchttisch stehen, da sie sonst vergeilen. Eine gut abgehärtete Tomatenpflanze kann von einem Tisch auf den Boden fallen, ohne nennenswerten Schaden zu nehmen.
Pflanzen
Pflanzabstand (cm)
Reihenabstand (cm)
Quelle
Konventionell
Pflanzabstand
Reihenabstand
Bio
Pflanzabstand
40 - 45
Reihenabstand
60 - 100
Reyhaneh, E. (2017): Ökologischer Gemüsebau. Mainz: Bioland Verlags GmbH
Marktgarten
Pflanzabstand
22
Reihenabstand
75
FORTIER, J.-M. (2020): Bio-Gemüse erfolgreich direktvermarkten (TELLIEZ, D., Übersetzerin). Innsbruck: Löwenzahn in der Studienverlag Ges.m.b.H.
OpenOrganicFarm
Pflanzabstand
40
Reihenabstand
60
Wachstum
Temperatur
Hoch
Okay
Optimal
Okay
Hoch
13 °C
22 °C
25 °C
30 °C
Tomaten sind wärmeliebend. Sie stellen bei Bodentemperaturen um die 9 °C ihr Wachstum weitestgehend ein. Kurzfristig vertragen gut abgehärtete Jungpflanzen allerdings auch Temperaturen um 1°C. Bei länger anhaltenden Temperaturen unter 15 °C kommt es durch verringerte Phosphataufnahme durch die Pflanze zu einer leichten Lilaverfärbung Verfärbung der Blätter.
Für die Befruchtung der Blüten sind Temperaturen zwischen 13 bis 30 °C erforderlich. Davon abweichend kommt es dann zu einer Hemmung der Pollenkeimung. Dies wirkt sich negativ auf den Ertrag aus.
Um diesem Effekt etwas entgegenzuwirken, kann man Schattierungsnetze anbringen und sollte auf ausreichend Lüftungsmöglichkeiten achten. Bevorzugt sollten luftige Standorte für den Anbau gewählt werden. Unter 15 °C kommt es zu keiner optimalen Fruchtausbildung mehr. Veredelte Tomaten vertragen etwas niedrigere Temperaturen von minimal 12 °C. Dies sollte aber ebenfalls kein Dauerzustand sein.
Optimaler Standort
Lichtbedarf
Sonnig
Windoffene, sonnige Lagen sind optimal. Der Wind sorgt nicht nur dafür, an sehr heißen Tagen die Temperaturen etwas abzukühlen, sondern reduziert auch die Blattnässezeit. Je schneller die Blätter und Früchte der Tomaten abtrocknen, desto geringer das Risiko von Schadpilzen, wie zum Beispiel Krautfäule (Phytophthora infestans) oder Samtfleckenkrankheit (Cladosporium fulvum). Dementsprechend sind Standorte mit feuchter stehender Luft unbedingt zu meiden. Eine direkte Nähe zu Kartoffelbeständen sollte ebenfalls vermieden werden, da das Risiko einer Infektion mit Krautfäule (Phytophthora infestans) ansteigt, die von den (Früh-) Kartoffeln auf die Tomaten übergehen kann.
Tomatenpflanzen benötigen sehr viel Licht. Ihre Zugehörigkeit zur Familie der Nachtschattengewächse hat nichts mit Ihrem Lichtbedarf zu tun (wie auch bei so ziemlich allen anderen Vertretern der Familie).
Dementsprechend sollten Folientunnel und Gewächshäuser regelmäßig gereinigt werden. Es gilt die Faustzahl: 1 % weniger Licht entspricht 1 % weniger Ertrag. Dies betrifft auch den Einsatz von Schattierungsnetzen. Diese sind nicht präventiv zu verwenden, sondern nur, wenn eine Gefahr durch zu hohe Sonneneinstrahlung akut besteht. Andernfalls können sie sich sogar negativ auswirken.
Wasserbedarf
Wasserbedarf
Hoch
Direkt nach dem Pflanzen müssen die Tomaten gut angewässert werden. Anschließend unbedingt etwas sparsamer wässern, damit die Pflanze dazu angeregt wird, ein starkes Wurzelwerk auszubilden.
Neben einer optimalen Wasserversorgung ist auch die relative Luftfeuchte für den Anbau von Tomaten entscheidend. Optimalerweise liegt sie zwischen 65 % bis 80 %. Bei unter 60 % relativer Luftfeuchte vertrocknet die Narbe und bei über 90 % verklebt der Pollen. In beiden Fällen kann keine Frucht/Tomate entstehen und wir verlieren entsprechend Ertrag. Dies unterstreicht nochmal die Bedeutung einer optimalen Standortwahl und Klimastrategie für den Anbau von Tomaten.
Wassermenge (Normal): 3,0 l/Tag
Wassermenge (Hitze):
8,0 l/Tag
Tomatenpflanzen sollten nicht von oben bewässert werden. Andauernde Blattnässe erhöht das Risiko von Schadpilzen. Idealerweise verwendet man für die Bewässerung Tropfschläuche, die unter einer Mulchschicht verlegt sind. Der Tropfer sollte in der Nähe der Pflanze liegen, aber nicht den Pflanzenstängel direkt befeuchten können, da dieser darauf sehr empfindlich reagiert.
Die Verwendung von Tropfschläuchen ohne Mulch kann zu einer nicht vollständigen Mineralisierung von Nährstoffen führen. Dies ist durch den Charakter der Schläuche begründet. Um jeden Tropfer bildet sich eine etwa kindskopfgroße Tropfzwiebel aus, die den Boden durchfeuchtet. Sind die Tropfer weit auseinander, sind immer wieder Bodenpartien unzureichend befeuchtet, wodurch es zu keiner/geringeren Mineralisierung von Nährstoffen kommt. Probleme können dann bei Folgekulturen auftreten. Entweder ist der Boden dann tiefgründig ausgetrocket und muss aufwendig wieder befeuchtet werden, oder aber nach einer Befeuchtung werden große Mengen Nährstoffe frei, die Kulturen wie Feldsalat auch schnell überfordern können, worunter die Pflanzenqualität leidet.
Nährstoffbedarf
Nährstoffbedarf
Hoch
Der Nährstoffbedarf bei Tomaten richtet sich nach dem zu erwartenden Ertrag und ist damit wesentlich von Sorte und Anbausystem abhängig. Tomatenpflanzen reagieren sehr positiv auf Gaben von reifem Mistkompost.
Wichtig zu beachten ist, dass Blütenendfäule (ledrige, schwarze Flecken am Blütenansatz unten an den Früchten) bei Tomaten zwar einen Calciummangel darstellt, dieser aber meistens nicht auf einen Calciummangel im Boden zurückzuführen ist, sondern in der Pflanze besteht. Auslöser sind zu hohe Temperaturen, unzureichende Bewässerung und eine hohe Luftfeuchte. Im Gegenteil reagieren Tomaten sehr empfindlich auf frische Kalkgaben. Diese sollten (wenn überhaupt nötig) immer im Vorjahr erfolgen.
Eigene Erfahrung: Verschiedene Sorten neigen unterschiedlich stark zu Blütenendfäule. Längliche Tomaten sind besonders anfällig.
Ernten
Einheit: Gewicht
Beste Erntezeit: Mittags
Mehrfachernte: Ja
Ernteinfos
Der Beginn der Ernte hängt neben vielen anderen Faktoren auch stark von der Sorte ab. Es gibt schnell, mittel und langsam reifende Sorten. Als Faustzahl kann man etwa 7 bis 12 Wochen nach der Pflanzung mit ersten Ernten rechnen. Für einen optimalen Geschmack sollten nur vollreife Früchte geerntet werden. Die Feststellung der Vollreife ist ebenfalls von Sorte zu Sorte verschieden und es erfordert ein wenig Erfahrung, den richtigen Zeitpunkt zu ermitteln. Vollreife Früchte haben ihre sortentypische maximale Ausfärbung. Dies kann unter anderem orange, olivgrün, rot, gelb, lila oder purpur sein. Zudem sind die Tomaten „samt weich“, aber noch nicht „matschig weich“. Bei Unsicherheiten Früchte in verschiedenen Reifestadien verkosten und so optimalen Erntezeitpunkt bestimmen. Für manche Sorte gibt es auch Farbstreifen, die verschiedene Erntezeitpunkte je nach Verwendung kennzeichnen. Die Ernte erfolgt normalerweise 2 bis 3 Mal je Woche. Frisch geerntete Tomaten so kurz wie möglich in den heißen Folientunneln stehen lassen. Wenn möglich, wird mit der Hand geerntet. Dies reduziert die Gefahr, Virosen durch kontaminierte Erntegeräte im Bestand zu verteilen. Die Früchte sollten Zum Erntezeitpunkt vollständig trocken sein. Feuchte Früchte werden beim Ernten schnell schmutzig und müssen dann aufwendig gesäubert werden. Das Belassen der Stiele an der Tomate kann einerseits die Haltbarkeit etwas verbessern, andererseits können sich die Früchte durch die Stiele auch gegenseitig Verletzungen zufügen. Hier gilt es, je nach Sorte zu entscheiden. Tomaten nicht zu hoch in Kisten füllen, damit sie sich nicht durch ihr Eigengewicht zerdrücken. Fleischtomaten maximal zwei Lagen, bei Salattomaten drei Lagen und die kleinen Cocktails bis zu vier Lagen je Kiste.
Ernteleistung
Lagerung
Die optimalen Lagerbedingungen für Tomaten im vollreifen Stadium liegen bei 10 bis 13 °C und einer relativen Luftfeuchte von 75 bis 80 %. Eine höhere Luftfeuchte erhöht gleichzeitig auch das Infektionsrisiko mit Pilzkrankheiten. Temperaturen unter 1 °C können zu Frostschäden an den Früchten führen. Unter idealen Bedingungen sind Tomaten bis etwa 2 Wochen nach der Ernte lagerbar.
Tomate gehört zu den ethylenempfindlichen Gemüsen.
Sollen unreife Früchte nachgereift werden, liegen die optimalen Temperaturen hierfür zwischen 15 bis 20 °C. Früchte, die zur Nachreife gebracht werden sollen, müssen mindestens hellgrün, besser schon orange sein. Zudem sollten sie regelmäßig durchsortiert werden, um sich ausbreitende Fäulnis zu unterbinden.
Eigene Erfahrung: Nicht alle Tomatensorten sind für eine Nachreife geeignet. Fleischtomaten werden oft bitter und sind geschmacklich kaum genießbar.
Ertragskennzahlen
Durchschnittlicher Ertrag nach Anbaumethode
| Anbaumethode | Gewicht (kg/m²) | Anzahl (Stück/m²) |
|---|---|---|
| Bio |
16,25
(n=14)
Min: 5,60, Max: 36,00 |
- |
| Konventionell |
35,76
(n=14)
Min: 15,00, Max: 70,00 |
- |
| Unbekannt |
24,58
(n=13)
Min: 19,42, Max: 27,67 |
- |