Gurke
Cucumis sativus
Kürbisgewächse (Cucurbitaceae)
Schwierigkeit: Schwer
Fruchtfolge Empfehlung
1 Jahr Anbaupause
Vorkultur
Als Vorfrucht von Gurken eignen sich fast alle Frühkulturen im Folientunnel. Zum Beispiel bieten sich Salat, Fenchel, Rauke, Schnittkohl und Radieschen an.
Eigene Erfahrungen:
Eine Mischkultur mit frühen Rote-Beete-Sätzen im Folientunnel führt meiner Erfahrung nach zu erheblichen Wachstumsdepressionen der Gurke.
Frühe Buschbohnensätze sollten aufgrund der Gefahr einer Spinnmilbenübertragung nicht in der Nähe von Gurkenbeständen im Folientunnel angebaut werden. Bei heißen Temperaturen erhöht sich der Pflanzenstress, den Buschbohnen erleiden, und führt dazu, dass die Gefahr eines Befalls mit Spinnmilben ansteigt. Diese können dann im weiteren Verlauf auf die Gurken übergehen.
Nachkultur
In der Regel wird Feldsalat als Nachfrucht von Gurke gewählt, aber auch überwinternde Spinat-, Schnittsalat- oder Mangoldssätze kämen in Frage.
Die Stickstoffwerte im Boden sollten nach der Gurkenkultur nicht allzu hoch sein, um das Risiko einer übermäßigen Nitratanreicherung in den folgenden Blattkulturen zu senken.
Geschichte
Ursprünglich stammt die Gurkenpflanze aus Indien, wo sie seit etwa 4000 Jahren von Menschen angebaut wird. Die „Urgurke“ soll aus der Region der subtropischen, südlichen Hänge des Hymalayas stammen. Über Ägypten kam sie mutmaßlich in den Mittelmeerraum. Ab dem 19. Jahrhundert wurde sie zuerst in England in Glasgewächshäusern angebaut, um dann ab 1910 auch in Deutschland auf größeren Flächen kultiviert zu werden. Sie hatte ursprünglich einen extrem bitteren Geschmack, der bei heutigen Sorten weitestgehend herausgezüchtet wurde. Allerdings ist es auch bei modernen Zuchtsorten noch so, dass wenn man sie unverhältnismäßig ärgert, zum Beispiel durch das Abknicken der Stängel am Fruchtansatz, oder sie vernachlässigt und zu lange hängen lässt, sie bitter werden können. In Osteuropa sind mäßig bittere Sorten wesentlich beliebter als bei uns in Deutschland und werden dort auch gezielt angebaut.
Entwicklungszyklus
Einjährig
Bei uns ist die Gurke eine einjährige Pflanze, die im Herbst aufgrund der für sie klimatisch ungünstigen Bedingungen abstirbt.
Kommentar
Schon Bodentemperturen unter 14 °C können zu Wurzelschäden führen. Auf die kühleren Herbstnächte reagieren die Pflanzen in der Regel mit einer stark erhöhten Anfälligkeit für Pflanzenkrankheiten.
Satzdaten
| Ort | Saatdatum |
Anzuchtszeit
(in Tagen) |
Pflanzdatum |
Wachstumszeit
(in Tagen) |
Erntedatum | Erntefenster |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Folientunnel Beheizt | 1. Februar | 28 | 1. März | 37 | 7. April | 16 - 18 Wochen |
| Folientunnel Beheizt | 6. März | 26 | 1. April | 35 | 6. Mai | 14 - 16 Wochen |
| Folientunnel Vließ | 7. April | 24 | 1. Mai | 40 | 10. Juni | 12 - 14 Wochen |
| Folientunnel | 21. April | 24 | 15. Mai | 39 | 23. Juni | 12 - 14 Wochen |
| Folientunnel | 12. Mai | 20 | 1. Juni | 37 | 8. Juli | 10 - 12 Wochen |
Boden
Optimaler Bodentyp: Sandiger Lehm
Optimaler ph-Wert: 6 - 6.5
optimaler ph-Wert
Zusatzinfos
Sand
Optimaler ph-Wert:
Auf sehr leichten Sandböden können Probleme mit der Wasserversorgung und der Nährstoffverfügbarkeit auftreten. Über längere Zeit kann gezielter Humusaufbau helfen, den Boden aufzuwerten. Kurzfristig kann die Verwendung von Mulch und reifem Kompost empfehlenswert sein. Der Einsatz von gut kompostiertem Mist ist ebenfalls eine Möglichkeit, die Bodenbedingungen für die Gurkenpflanzen zu verbessern.
Sandiger Lehm
Optimaler ph-Wert:
Sandige Lehmböden sind gut für den Anbau von Gurken geeignet. Ihr Sandanteil sorgt im Frühjahr für eine schnelle Erwärmung, was Gurken sehr schätzen. Der Lehmanteil sorgt für eine gewisse Wasserhaltekraft und Nährstoff-Verfügbarkeit. Der Einsatz von Mulch und Kompost ist auch hier hilfreich.
Lehm
Optimaler ph-Wert:
Lehmböden sind nur bedingt für den Anbau von Gurken geeignet. Ihr großer Nachteil ist ihre langsame Erwärmung und ihr Staunässe-Potential. Wenn diese Faktoren durch gute Satzplanung, Standortwahl oder warme Winter/Frühjahre negiert werden, profitieren Gurken auf Lehmböden von deren guter Wasserhaltekraft und Nährstoffversorgung. Die Ausbringung von Mulch sollte unbedingt erst erfolgen, wenn die Böden ausreichend Zeit hatten, sich zu erwärmen.
Ton
Optimaler ph-Wert:
Tonböden sind oft zu kalt und zu feucht für den Anbau von Gurken. Hier sollte auf andere Kulturen ausgewichen werden.
Jungpflanze
Keimdauer
7 - 10 Tage
Keimung
Hoch
Okay
Optimal
Okay
Niedrig
14 °C
22 °C
26 °C
28 °C
Jungpflanze
Hoch
Okay
Optimal
Okay
14 °C
20 °C
22 °C
Temperturen von fünf bis sieben °C führen zu Wachstumsstop. Länger andauernde Temperaturen unter 14 °C zu Wurzel- und Pflanzenschäden.
Abhärten
Gurkenpflanzen für den Anbau unter Folie müssen nicht abgehärtet werden, da sie empfindlich auf Wind reagieren. Pflanzen für das Freiland etwa eine Woche vor der Pflanzung sehr behutsam an einem geschützten Standort abhärten.
Pflanzen
Pflanzabstand (cm)
Reihenabstand (cm)
Quelle
Konventionell
Pflanzabstand
60 - 80
Reihenabstand
100 - 120
LABER, H. et al. (2020): Gemüsebau. 3., erweiterte Auflage, Stuttgart: Eugen Ulmer Kg
Bio
Pflanzabstand
45 - 55
Reihenabstand
130 - 170
Reyhaneh, E. (2017): Ökologischer Gemüsebau. Mainz: Bioland Verlags GmbH
Marktgarten
Pflanzabstand
45
Reihenabstand
75
FORTIER, J.-M. (2020): Bio-Gemüse erfolgreich direktvermarkten (TELLIEZ, D., Übersetzerin). Innsbruck: Löwenzahn in der Studienverlag Ges.m.b.H.
OpenOrganicFarm
Pflanzabstand
50
Reihenabstand
60
Wachstum
Temperatur
Hoch
Okay
Optimal
Okay
14 °C
22 °C
30 °C
Bei länger andauernden Bodentemperaturen unter 14 °C können Wurzeln absterben und physiologische Schäden an der Pflanze auftreten. Verdelte Sorten vertragen tiefere Temperaturen von 14 bis 16 °C besser als unveredelte. Bei Letzteren sollte die Bodentemperatur nicht dauerhaft unter 18 °C sinken.
Die Entwicklung der Gurkenpflanze lässt sich gut über die Temperaturführung steuern, vorrausgesetzt, man hat die entsprechende technische Ausstattung. Für den professionellen großflächigen Anbau würde ich raten, sich von Beratenden Hilfe zu hohlen. Für kleinstrukturierte Betriebe, die dies nicht können oder wollen, können folgende kurzen Hinweise vielleicht nützlich sein.
Unter anderem sind folgende Steuerungen möglich:
Wenn die Seitentriebe zu dünn sind oder es zu wenig Fruchtbehang gibt, kann die Differenz zwischen der Tages- und der Nachttemperatur für drei bis vier Tage auf vier °C erhöht werden. Will man den Pflanzen weniger Stress zumuten, kann dies alternativ nach Sonnenuntergang für drei bis vier Stunden erfolgen und muss nicht die ganze Nacht andauern. Die Temperatur sollte dabei nach Möglichkeit nicht unter 18 °C sinken.
Wenn zu wenig neue Triebe gebildet werden, kann eine Tag- und Nachttemperatur-Angleichung auf 19 °C erfolgen. Mit einer Ablüftung ab 20 bis 21 °C. Das Ganze sollte etwa fünf bis sechs Tage betrieben werden. Die Abreife der Früchte kann durch eine moderate Anhebung der Tag- und Nachttemperaturen beschleunigt werden.
Optimaler Standort
Lichtbedarf
Sonnig
Bei Gurkenpflanzen gilt es zu beachten, dass es gemischt blühende Sorten gibt, die männliche und weibliche Blüten an der selben Pflanze haben, und Pathenokarpe, die nur weibliche Blüten aufweisen. Werden beide gemeinsam in relativer Nähe zueinander angebaut, und gelingt es einer gemischt blühenden Sorte, eine pathenokarpe Sorte zu befruchten, reagiert Letztere mit deformierten Früchten. Idealerweise werden beide nicht zusammen in einem Folientunnel angebaut. Um welchen Sortentyp es sich handelt, steht in der Regel bei den Sortenbeschreibungen dabei.
Gemischt blühende Sorten sind problemlos miteinander kombinierbar, es sei denn, man möchte eigenes Saatgut gewinnen. Dann sollten sie isoliert angebaut werden, um die Gefahr von Verkreuzungen zu minimieren.
Gurkenpflanzen reagieren zudem sehr empfindlich darauf, wenn man ihnen „auf die Füße tritt“. Es sollte deswegen sichergestellt sein, dass ihr unmittelbarer Wurzelraum nicht betreten wird.
Wasserbedarf
Wasserbedarf
Hoch
Der Wasserbedarf der Gurkenpflanzen hängt vom Stadium der Pflanzenentwicklung und den klimatischen Bedingungen ab. Er lässt sich grob in einer Glockenkurve abbilden. Der höchste Bedarf besteht in den Monaten Juni bis September.
Wassermenge (Normal): 4,0 l/Tag
Wassermenge (Hitze):
6,5 l/Tag
Gurken benötigen während ihrer gesamten Kulturzeit durchgehend hohe Wassermengen. Andernfalls werfen sie Blüten ab.
Nährstoffbedarf
Nährstoffbedarf
Hoch
Ernten
Einheit: Anzahl
Beste Erntezeit: Morgens
Mehrfachernte: Ja
Ernteinfos
Die Gurkenpflanzen sollten regelmäßig beerntet werden, um eine stetige Fruchtbildung zu gewährleisten. Für den Großmarkt wird in verschiedenen Gewichtskategorien geerntet. Das gewünschte Erntegewicht kann dabei je nach Region variieren. Drei beispielhafte Kategorien wären 350 bis 400 g oder 400 bis 500 g oder 500 bis 600 g. Je nach Kategorie unterscheidet sich auch, wie oft die Gurkenpflanze beerntet wird. Je nach Gewichtsklasse sollte drei bis sieben mal je Woche geerntet werden. Dies betrifft nur veredelte Gurkensorten. Unveredelte Gurken werden zwei bis drei mal je Woche beerntet.
Etwa zwei Wochen nachdem die Blüte an der Pflanze voll entfaltet ist, kann die Gurke geerntet werden. Bei gemischt blühenden Sorten ist zu beachten, dass sie im Gegensatz zu pathenokarpen Sorten auch männliche Blüten haben, die keine Früchte ausbilden.
Eigene Erfahrungen: Sollte man einmal Opfer einer regelrechten Gurkenschwemme werden gibt es immer die Möglichkeit die Früchte länger an der Pflanze zu belassen und dann in weiter fortgeschrittenen Reifestadien als Schmorgurken zu nutzen. Obwohl es spezielle Sorten für Schmorgurken gibt lassen sich die meisten anderen Gurkensorten auch auf diese Art nutzen.
Ernteleistung
Die Ernteleistung in spezialisierten Betrieben beträgt etwa 140 Gurken je Akh.
Lagerung
Im Idealfall werden Gurken immer frisch verzehrt. Die Lagerdauer sollte so kurz wie möglich sein. Sollen Gurken dennoch über kurze Zeit gelagert werden, sollte die Temperatur 10 bis 12 °C betragen. Eine relative Luftfeuchte von über 95 % ist anzustreben. Hierfür kann sich der Einsatz von feuchten Tüchern oder Abdeckfolie bewähren.
Gurken sind kälte- und ethylenempfindlich. Wenn sie sich weich anfühlen, sollten sie nicht mehr vermarktet werden. In diesem Stadium sind sie dann auch zumeist schon bitter.
Ertragskennzahlen
Durchschnittlicher Ertrag nach Anbaumethode
| Anbaumethode | Gewicht (kg/m²) | Anzahl (Stück/m²) |
|---|---|---|
| Bio |
14,58
(n=6)
Min: 12,11, Max: 16,45 |
35,71
(n=7)
Min: 26,60, Max: 55,00 |
| Konventionell |
27,90
(n=6)
Min: 23,33, Max: 29,39 |
91,43
(n=7)
Min: 30,00, Max: 220,00 |
| Unbekannt |
25,00
(n=13)
Min: 22,15, Max: 27,50 |
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