Grünkohl
Brassica oleracea var. sabellica
Kreuzblütler (Brassicaceae)
Frost tolerant
Schwierigkeit: Leicht
Fruchtfolge Empfehlung
4-5 Jahre
Vorkultur
Wintergerste und Frühkartoffeln sowie Salat, (frühe) Möhren, Spinat und Bohnen. Ungeeignet sind Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütler, wegen der Gefahr der Kohlhernie einen guten Nährboden zu geben.
Nachkultur
Im zeitigen Frühjahr bieten sich frühe Salatsätze, Spinat, Mangold und Möhren, nach der Abernte des Grünkohles an.
Geschichte
Grünkohl stellt eine der ältesten kultivierten Kohlarten dar. Ursprünglich stammt er vermutlich aus dem östlichen Mittelmeerraum.
Entwicklungszyklus
Mehrjährig
Im ersten Anbaujahr entwickelt der Grünkohl seinen Blattapparat. Nach einem Kältereiz im Winter (Vernalisation) geht er im zeitigen Frühjahr des zweiten Anbaujahres in Blüte.
Kommentar
Die Frosthärte von Grünkohl richtet sich nach der Sorte und setzt einen gesunden Bestand mit einer guten Nährstoffversorgung, vor allem Kalium, vorraus. Sie kann bei Temperaturen bis etwa –15 °C liegen, wobei der auskühlende Effekt von Winden berücksichtigt werden sollte, so dass es auch schon bei Temperaturen von –10 °C zu Frostschäden kommen kann.
Wechselhafte Temperaturen zwischen niedrigen Frösten und Plusgraden, besonders in den Monaten Dezember und Januar, können bei manchen Grünkohlsorten zu Blattnekrosen und Fäulnis führen.
Das Grünkohl Frost braucht, um seinen Geschmack frei zu entfalten, stimmt nur zum Teil. Dabei ist es weniger der Frost, sondern vielmehr eine Periode länger anhaltender niedriger Temperaturen, die den Zuckergehalt im Kohl steigen lassen. Diese chemischen Umwandlungsprozesse setzen aktive Wachstumsprozesse im Kohl vorraus. Bei Frost sind aber alle Wachstumsprozesse weitgehend zum Erliegen gekommen. Mittlerweile sind auch eine Menge Grünkohlsorten auf dem Markt, die züchterisch bedingt schon einen höheren Zuckeranteil in den Blättern haben und damit keine niedrigen Temperaturen mehr benötigen, um besonders schmackhaft zu sein. Diese können dann auch ganzjährig als Pfannengemüse oder Rohkost angebaut werden (siehe auch den Abschnitt zum Thema Ernte).
Satzdaten
| Ort | Saatdatum |
Anzuchtszeit
(in Tagen) |
Pflanzdatum |
Wachstumszeit
(in Tagen) |
Erntedatum | Erntefenster |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Freiland | 19. Mai | 25 | 13. Juni | 85 | 6. September | 20 Wochen |
| Freiland | 6. Juni | 25 | 1. Juli | 88 | 27. September | 20 Wochen |
| Freiland | 3. Juli | 27 | 30. Juli | 91 | 29. Oktober | 16 Wochen |
| Freiland | 7. Juli | 27 | 3. August | 95 | 6. November | 16 Wochen |
Boden
Optimaler Bodentyp: Lehm
Optimaler ph-Wert: 6 - 7
optimaler ph-Wert
Zusatzinfos
Sand
Optimaler ph-Wert:
Der Anbau von Grünkohl auf sandigen Böden bringt in der Regel keine Höchsterträge hervor. Der Einsatz von Kompost, Mulch und einer Bewässerungsmöglichkeit kann ihn dennoch möglich machen. Wirtschaftlich gesehen kann man mit anderen Böden aber nur schwer konkurrieren.
Eigene Erfahrungen: Eine Möglichkeit, auf sandigen Böden wirtschaftlich Kohl zu produzieren, stellt der Anbau von Miniköhlern für kleine Haushalte dar. Bei der Produktion von Mini Köhlern ist der Pflanzabstand (30 × 30 cm) entsprechend anzupassen und es sollten Sorten mit einer kurzen Wachstumszeit verwendet werden.
Sandiger Lehm
Optimaler ph-Wert:
Es gilt das Selbe wie auf sandigen Böden.
Lehm
Optimaler ph-Wert:
Lehmige Böden sind sehr gut für den Anbau von Grünkohl geeignet. Auch hier muss auf eine durchgehende Wasserversorgung geachtet werden und die Düngung entsprechend vorgenommen werden. Lehmböden haben ein sehr gutes Ertragspotenzial, besonders für die Herbst- und Lagersätze, bei denen es nicht auf eine schnelle Erwärmung des Bodens im Frühjahr ankommt.
Ton
Optimaler ph-Wert:
Bei tonigen Böden muss darauf geachtet werden, dass sie nicht Staunass oder Sauerstoffarm sind. Ein Anbau auf Dämmen kann auf sehr schweren Böden Sinn machen. Ansonsten gilt das Gleiche wie für Lehmböden.
Jungpflanze
Keimdauer
5 - 7 Tage
Keimung
Okay
Optimal
Okay
15 °C
20 °C
Vernalisation
Temperatur
13°C
Dauer
21,0 Tage
Erklärung
Grünkohl sollte im zeitigen Frühjahr bis Mitte März abgeerntet werden, da kein Mechanismus der Devernalisation existiert und die Pflanze damit auf jeden Fall im Frühjahr in Blüte geht. Bei sehr frühen Sätzen sollte ebenfalls darauf geachtet werden, die Temperatur in der Anzucht nicht längerfristig unter 13 °C fallen zu lassen, um Frühblüher zu vermeiden.
Jungpflanze
Okay
Optimal
Okay
13 °C
15 °C
Bei der Anzucht von Grünkohl sollte darauf geachtet werden, dass bei sehr frühen Anbausätzen nicht versehentlich vernalisiert wird. Diese Gefahr besteht, wenn die Temperaturen in der Anzucht dauerhaft unter 13 °C liegen.
Abhärten
Grünkohl sollte etwa eine Woche vor der Pflanzung abgehärtet werden.
Pflanzen
Pflanzabstand (cm)
Reihenabstand (cm)
Quelle
Konventionell
Pflanzabstand
40 - 60
Reihenabstand
40 - 50
LABER, H. et al. (2020): Gemüsebau. 3., erweiterte Auflage, Stuttgart: Eugen Ulmer Kg
Bio
Pflanzabstand
?
Reihenabstand
50 - 75
Heistinger, A. (2010): Handbuch Bio- Gemüse. Stuttgart: Eugen Ulmer KG
Marktgarten
Pflanzabstand
30
Reihenabstand
25
FORTIER, J.-M. (2020): Bio-Gemüse erfolgreich direktvermarkten (TELLIEZ, D., Übersetzerin). Innsbruck: Löwenzahn in der Studienverlag Ges.m.b.H.
OpenOrganicFarm
Pflanzabstand
50
Reihenabstand
50
Wachstum
Temperatur
Okay
Optimal
Okay
18 °C
20 °C
Bei Temperaturen unter 13 °C besteht, wenn sie andauern, die Gefahr der Vernalisation der Grünkohlpflanze. Über 28 °C findet kaum noch Wachstum statt, weil die Pflanzen Verdunstungsschutz betreiben und ihre Spaltöffnungen schließen. Dadurch findet dann auch nur noch ein minimaler Säftestrom statt, so dass die Versorgung mit Nährstoffen stockt.
Optimaler Standort
Lichtbedarf
Sonnig
Grünkohl profitiert besonders von humushaltigen Böden an maritimen Standorten. Allerdings wächst er auf vielen verschiedenen Böden und weist damit eine der höchsten Anbaubreiten aller Gemüse auf. Windoffene Lagen reduzieren durch ein besseres Abtrocknen der Blätter die Gefahr durch Schäden von Schadpilzen. Grünkohl gehört zu den anspruchsloseren Kohlgewächsen, was Bodenbeschaffenheit und Nährstoffangebot anbelangt.
Wasserbedarf
Wasserbedarf
Mittel
Bei zu geringen Wassergaben erhöht sich der Anteil an gelben, nicht vermarktbaren Blättern bei Grünkohl. Der Hauptwasserbedarf liegt in den Monaten Juli bis etwa Mitte September. Zum Angießen der Kultur sollte eine einmalig etwas höhere Wassergabe mit etwa 10 Litern Wasser je Quadratmeter (je nach Bodenart und Bodenfeuchte!) erfolgen. Idealerweise erfolgen die Wassergaben über Tropfbewässerung. Diese kann schon während der Pflanzung betrieben werden, was den Pflanzschock erheblich reduziert.
Grünkohl benötigt eine gleichmäßige Bewässerung. Bei Verwendung von Kulturschutznetzen und Überkopfberegnung besteht das Risiko eines erhöhten Schadpilzdruckes, der dadurch ausgelöst wird, dass die Blattnässezeit länger andauert. Gerade im Herbst sollte darauf geachtet werden, den Kohl in windoffenen Lagen anzubauen, und die Kulturschutznetze sollten so früh wie möglich entfernt werden. Spätestens im Oktober ist die Gefahr, die für den Grünkohl durch Schadpilze ausgeht, in der Regel höher als jene, die Schadinsekten dastellen.
Nährstoffbedarf
Nährstoffbedarf
Hoch
Bei der Düngung mit Kompost auf sandigen Böden kann es sinnvoll sein, zu Beginn des Bestandschlusses mit einem schnell verfügbaren Stickstoffdünger nachzudüngen. Hierfür kann man Brennnesseljauche verwenden oder ein Handelsprodukt erwerben. Auch der Einsatz von schnell verrotendem Mulch wie Grasschnitt oder Kleegras kann zeitlich richtig eingesetzt (was viel Erfahrung braucht) die nötigen Mengen an Stickstoff für den Kohl bereithalten.
Eigene Erfahrung: Eine etwa vier bis fünf cm dicke Mulchschicht nach dem zweiten Hackgang auf einen biologisch aktiven Boden stellt in der Regel ausreichend Stickstoff für eine Kopfdüngung zur Verfügung.
Ernten
Einheit: Gewicht
Beste Erntezeit: Morgens
Mehrfachernte: Ja
Ernteinfos
Bei der Ernte von Grünkohl werden die Blätter per Hand gerupft und in Kisten gepackt oder auf Erntebänder gelegt.
Eigene Erfahrungen: Grünkohl eignet sich wunderbar zur Mehrfachbeerntung. Der kleine Wiederaustrieb ist besonders schmackhaft und kann im Frühjahr helfen, Lücken in den verfügbaren Gemüsemengen zu schließen. Wenn möglichst viel vom Kopf des Grünkohls stehen gelassen wird, fällt der Wiederaustrieb um zu üppiger aus. Der Grünkohlstiel kann, wenn er noch frisch ist, geschält werden und schmeckt dann ähnlich wie Kohlrabi. Auch die Blüten sind essbar und gerade die Blütenknospen haben einen wunderbaren, leicht herben Geschmack, der sich gut in der Pfanne mit Frühlingszwiebel zusammen oder in einem Wildkräutersalat macht.
Palmkohl (Sortenbeispiel: Nero di Toscana) kann schon sehr früh im Jahr angebaut werden, um ihn dann ganzjährig zu beernten. Er benötigt keinen Frost, um einen exzellenten Geschmack auszubilden.
Ernteleistung
Eine gut ausgebildete Erntekraft kann bei optimalem Bestand und Infrastruktur etwa 43 bis 56 Kilogramm Grünkohl in einer Stunde ernten.
Lagerung
Grünkohl sollte nach Möglichkeit immer frisch vom Feld geerntet werden. Er ist sehr ethylenempfindlich und neigt zum Welken, wenn er dem Gas ausgesetzt ist. Soll er dennoch gelagert werden, was bei langanhaltendem Dauerfrost notwendig sein kann, sollte er nach der Ernte möglichst schnell heruntergekühlt werden. Die Lagerung sollte dann bei −2 bis 0 °C und einer relativen Luftfeuchte von 95 % erfolgen. Idealerweise wird die gesamte Pflanze eingelagert. Eine Lagerbarkeit von acht bis zehn Wochen ist so theoretisch möglich. Einzelne Blätter von Grünkohl sind nur wenige Tage lagerbar.
Ertragskennzahlen
Durchschnittlicher Ertrag nach Anbaumethode
| Anbaumethode | Gewicht (kg/m²) | Anzahl (Stück/m²) |
|---|---|---|
| Bio |
1,40
(n=6)
Min: 1,19, Max: 1,54 |
- |
| Konventionell |
1,99
(n=8)
Min: 1,56, Max: 3,50 |
- |
| Unbekannt |
1,81
(n=13)
Min: 1,54, Max: 3,00 |
- |