Rotkohl
Brassica oleracea var. capitata f. rubra
Kreuzblütler (Brassicaceae)
Frost tolerant
Schwierigkeit: Leicht
Alternative Namen
Rotkraut, Blaukraut
Fruchtfolge Empfehlung
4 Jahre Anbaupause
Vorkultur
Gut geeignet als Vorkultur vor Rotkohl sind eine Gründüngung und Hülsenfrüchte (Bohnen und Erbsen).
Nachkultur
Bei sehr frühen Kohlsätzen können zum Beispiel Salate, Buschbohnen oder Porree folgen.
Geschichte
In seinen Ursprüngen stammt Kopfkohl vom Wildkohl ab, der an den Küsten der Nordsee und des Mittelmeeres heimisch ist. Seit der Steinzeit begleitet er menschliche Ansiedlungen, wo er zuerst als Beikraut auf stickstoffhaltigen Abfällen gedieh. Die Kelten nahmen ihn dann gezielt in ihre Gartenkultur auf. Kohl hat eine lange Tradition als Heilpflanze. Den Griechen galt er als heilig. Ab dem Mittelalter entstanden die uns heute als Kopfkohl bekannten Sorten.
Entwicklungszyklus
Mehrjährig
Im ersten Jahr wird der Kohlkopf gebildet. Im zweiten Jahr erfolgt dann die Blüte.
Kommentar
Rotkohl verträgt prinzipiell leichte Fröste. Trotzdem ist es empfehlenswert, den Kohl vor den ersten starken Frostnächten einzulagern. Gefrorener Kohl darf auf keinen Fall berührt werden, um keine irreparablen Zellschäden zu verursachen (er wird dann matschig). Er muss dementsprechend vor der Ernte vollständig aufgetaut sein.
Satzdaten
| Ort | Saatdatum |
Anzuchtszeit
(in Tagen) |
Pflanzdatum |
Wachstumszeit
(in Tagen) |
Erntedatum | Erntefenster |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Freiland Vließ | 1. Februar | 30 | 3. März | 85 | 27. Mai | 4 - 5 Wochen |
| Freiland Vließ | 4. März | 28 | 1. April | 82 | 22. Juni | 4 - 5 Wochen |
| Freiland | 20. März | 26 | 15. April | 92 | 16. Juli | 4 - 5 Wochen |
| Freiland | 5. April | 26 | 1. Mai | 125 | 3. September | 4 - 5 Wochen |
| Freiland | 5. April | 26 | 1. Mai | 90 | 30. Juli | 4 - 5 Wochen |
| Freiland | 3. Mai | 25 | 28. Mai | 150 | 25. Oktober | 1 Wochen |
| Freiland | 3. Mai | 25 | 28. Mai | 120 | 25. September | 4 - 5 Wochen |
| Freiland | 21. Mai | 25 | 15. Juni | 155 | 17. November | 1 Wochen |
Boden
Optimaler Bodentyp: Lehm
Optimaler ph-Wert: 6 - 7
optimaler ph-Wert
Zusatzinfos
Sand
Optimaler ph-Wert:
Der Anbau von Kohl auf sandigen Böden bringt in der Regel keine Höchsterträge hervor. Der Einsatz von Kompost, Mulch und einer Bewässerungsmöglichkeit kann ihn dennoch möglich machen. Wirtschaftlich gesehen kann man mit anderen Böden aber nur schwer konkurrieren.
Eine Ausnahme stellt der Anbau von Miniköhlern für den „Single-Haushalt“ oder aber sehr frühe Sätze, die von der schnellen Erwärmung der Sandböden profitieren, dar. Auch hier ist es wichtig, die Stärken und Schwächen seines Betriebes zu kennen und sie entsprechend zu nutzen. Bei der Produktion von „Mini Köhlern“ ist der Pflanzabstand entsprechend anzupassen (30 × 30 cm) und es sollten Sorten mit einer kurzen Wachstumszeit verwendet werden.
Sandiger Lehm
Optimaler ph-Wert:
Es gilt dasselbe wie auf sandigen Böden.
Lehm
Optimaler ph-Wert:
Lehmige Böden sind sehr gut für den Anbau von Kohl geeignet. Auch hier muss auf eine durchgehende Wasserversorgung geachtet werden und die Düngung entsprechend vorgenommen werden. Lehmböden haben ein sehr gutes Ertragspotenzial, besonders für die Herbst- und Lagersätze, bei denen es nicht auf eine schnelle Erwärmung im Frühjahr ankommt.
Ton
Optimaler ph-Wert:
Bei tonigen Böden muss darauf geachtet werden, dass sie nicht staunass oder sauerstoffarm sind. Ein Anbau auf Dämmen kann auf sehr schweren Böden Sinn machen. Ansonsten gilt das Gleiche wie für Lehmböden.
Jungpflanze
Keimdauer
6 - 8 Tage
Keimung
Hoch
Okay
Optimal
Okay
2 °C
18 °C
20 °C
Vernalisation
Temperatur
12°C
Devernalisation
Temperatur
16°C
Erklärung
Die Vernalisation von Rotkohl wird erst ab dem vierten, echten Blatt (die Keimblätter zählen nicht mit) aktiviert. Ab 16 °C wird der Devernalisationseffekt gestartet.
Jungpflanze
Mittel
Okay
Optimal
Okay
12 °C
12 °C
14 °C
Zu beachten ist, dass Rotkohl bei unter 12 °C vernalisiert und es dann wieder eine Zeitperiode von 16 °C braucht, um diesen Vorgang rückgängig zu machen.
Abhärten
Kohl sollte etwa eine Woche vor der Pflanzung abgehärtet werden. Auf keinen Fall sollte er dabei in Dauerregen stehen. Kohl in staunassen Anzuchtplatten stagniert, je nach verwendeten Substrat im Wachstum, und beginnt chlorotisch zu werden.
Pflanzen
Pflanzabstand (cm)
Reihenabstand (cm)
Quelle
Konventionell
Pflanzabstand
35 - 50
Reihenabstand
40 - 75
LABER, H. et al. (2020): Gemüsebau. 3., erweiterte Auflage, Stuttgart: Eugen Ulmer Kg
Bio
Pflanzabstand
50
Reihenabstand
50
Heistinger, A. (2010): Handbuch Bio- Gemüse. Stuttgart: Eugen Ulmer KG
Marktgarten
Pflanzabstand
Reihenabstand
OpenOrganicFarm
Pflanzabstand
45
Reihenabstand
45
Wachstum
Temperatur
Okay
Optimal
Okay
18 °C
22 °C
Rotkohl ist gut an die in Deutschland herrschenden Temperaturen angepasst.
Optimaler Standort
Lichtbedarf
Sonnig
Rotkohl profitiert besonders von humushaltigen Böden an maritimen Standorten. Allerdings wächst er auf vielen verschiedenen Böden und weist damit eine der höchsten Anbaubreiten aller Gemüse auf.
Wasserbedarf
Wasserbedarf
Hoch
Nach der Pflanzung von Rotkohl sollte initial stark angewässert werden. In der Literatur kursieren Werte bis 10 L je m^2. Es hängt aber im Wesentlichen von der Bodenart und der vorhandenen Feuchte ab. Der Hauptwasserbedarf besteht bei Rotkohl mit Begin der Kopfbildung. Der durchschnittliche zusätzliche Wasserbedarf liegt bei frühen Sätzen bei 60 bis 100 Litern je m^2 über die gesamte Wachstumsperiode. Bei Lagerware beträgt er 120 bis 200 Liter je m^2. Die Verwendung von Mulch kann helfen, den Wasserbedarf zu senken.
Die Wassergaben sollten gleichmäßig erfolgen, da es sonst bei ausgewachsenem Kohl schnell zu Platzern kommen kann. Darauf aufbauend kann es sinnvoll sein, nach längerer Trockenheit vor einem angesagten Starkregen den Kohl abzuernten.
Um die Blattnässeperiode möglichst gering zu halten und damit Schadpilzen vorzubeugen, kann man je nach Anbausystem auf Tropfschläuche zurückgreifen. Wenn über Kopf beregnet wird, sollten insbesondere die späteren Sätze ausreichend Wind abbekommen können, um schnell abzutrocknen.
Nährstoffbedarf
Nährstoffbedarf
Hoch
Bei der Düngung mit Kompost, besonders auf sandigen Böden, kann es sinnvoll sein, zu Beginn der Kopfbildung mit einem schnell verfügbaren Stickstoffdünger nachzudüngen. Hierfür kann man Brennesseljauche verwenden oder ein Handelsprodukt erwerben. Auch der Einsatz von schnell verrotendem Mulch wie Grasschnitt oder Kleegras kann zeitlich richtig eingesetzt (was viel Erfahrung braucht) die nötigen Mengen an Stickstoff für den Kohl bereithalten.
Eigene Erfahrung: Eine etwa 4 bis 5 cm dicke Mulchschicht nach dem zweiten Hackgang auf einen biologisch aktiven Boden stellt in der Regel ausreichend Stickstoff für eine Kopfdüngung zur Verfügung.
Ernten
Einheit: Gewicht
Beste Erntezeit: Mittags
Mehrfachernte: Ja
Ernteinfos
Ein erntereifer Kohl sollte einen festen Kopf haben, der sich nicht eindrücken lässt und prall gefüllt ist. Auf den äußersten Blättern ist eine leichte Anthocyanverfärbung zu beobachten.
Mit einem scharfen Messer oder einer Kohlmachete wird der Kopf am oberen Ende des Strunkes abgeschnitten/ geschlagen, so dass im Idealfall die Umblätter auf dem Feld verbleiben. Anschließend wird der Strunk noch einmal sauber nachgeschnitten und der Kohl vorsichtig in eine Kiste verbracht.
Eigene Erfahrung: Einige Betriebe lagern den Kohl auch mit Strunk oder sogar mit den Wurzeln ein. Dies kann bei nicht optimalen Lagerbedingungen sinnvoll sein, um Verletzungen am Kohl zu minimieren und so keine Eintrittspforten für Schaderreger zu erzeugen. Allerdings braucht es wesentlich mehr Lagerplatz und verursacht eine Menge Dreck.
Kohl kann mehrfach beerntet werden. Aus den Strünken keimen „Mini-Köhler“ aus, die helfen können, im Frühjahr die Zeit zu überbrücken, wenn die Lager leer sind und im Garten noch nicht viel wächst.
Ernteleistung
Lagerung
Ideale Lagertemperaturen für Rotkohl liegen bei circa einem °C und einer relativen Luftfeuchte von 98 %. Unter diesen Bedingungen ist Rotkohl dann theoretisch bis April des Folgejahres lagerbar. Es dürfen nur gesunde Pflanzen eingelagert werden. Das Lager sollte zudem regelmäßig kontrolliert und faulender Kohl entfernt oder ausgeputzt werden.
Der Geruchssinn hilft dabei, das Lager zu kontrollieren. Faulender Kohl hat einen unangenehmen, leicht schwefeligen Geruch.
Ertragskennzahlen
Durchschnittlicher Ertrag nach Anbaumethode
| Anbaumethode | Gewicht (kg/m²) | Anzahl (Stück/m²) |
|---|---|---|
| Bio |
3,90
(n=6)
Min: 3,08, Max: 5,13 |
- |
| Konventionell |
5,98
(n=6)
Min: 5,16, Max: 6,59 |
- |
| Unbekannt |
5,92
(n=12)
Min: 5,05, Max: 6,94 |
- |